45 Jahre nach Hitchcocks Vögel: Schwarze Schwäne bedrohen die Weltwirtschaft

Mandelbrot und sein Schüler Nassim Nicholas Taleb erklären in einem PBS NEWS HOUR Interview, warum die Globalisierung zwar die Effizienz erhöht aber auch das Risiko großer Crashes.

Die enge Kopplung und hohe Komplexität zwischen den Märkten, ausgelöst durch die Globalisierung und den hohen Leverage von Hedgefonds und Banken, führt zu einem nicht mehr vorhersagbaren System. Die Komplexität, so Mandelbrot, sei ein Vielfaches höher als die bei Wetterprognosen und das Wetter können wir bestenfalls ein paar Tage vorhersagen und auch das nur mit großen Schätzfehler.

Dabei geht es den beiden weniger um die Unfähigkeit die Börsenkurse von morgen zu prognostizieren. Der Punkt ist viel mehr, dass auch die Verteilung der Börsenkurse von morgen nicht bekannt ist. Die Verteilung hat eine hohe Schiefe erhalten, aber das Problem ist, dass keine weiß wie schief sie ist.

Alle Modelle in den Banken und Fonds bauen bei der Risikoeinschätzung auf Vergangenheitsbeobachtung. Diese Beobachtung wird dann auf die Zukunft übertragen. Als die Preise für Subprime-MBS zu fallen begannen, sagte der CEO von Goldmann Sachs. Ein Preisverfall in der Höhe hatten in deren Risikomodellen eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 10^-26. Es sollte also alle 10^23 Jahre mal Auftreten und somit viele Milliarden mal seltener als der Urknall. Das Modell war offensichtlich fehlspezifiziert. Denn die Preise für Subprime-MBS, sind inzwischen sogar noch viel weiter gefallen.

Die unkritische Übernahme von Vergangenheitsbeobachtungen hat das prinzipielle Problem, dass implizit gegen Extremereignisse gewettet wird. Diese sind nämlich in der Vergangenheit noch nicht alle beobachtet worden. Das diese in der Zukunft nicht auftreten ist sehr optimistisch und es ist beängstigend zu sehen wieviel Geld darauf gewettet wurde  und wird, dass sie nicht auftreten.

Nassim Nicholas Taleb erläutert dies am Beispiel von Schwänen. In Europa glaubten die Menschen es gäbe nur weiße Schwäne. Jeder Schwan, den sie sahen ware weiß und bestätigte sie in ihrem Glauben es gäbe nur weiße. Die Sicherheit wuchs mit der Zeit immer mehr und war am größten am Tag bevor der erste schwarze Schwan entdeckt wurde. Danach war die komplette Theorie über die Farbe von Schwänen hinfäiig. Das Weltbild und Weltverständnis von Generationen von Schwanforschern wurde durch eine einzige Beobachtung ausgehebelt.

Mandelbrot und Taleb haben Recht. Das Problem am aktuellen Finanzsystem ist die exterm hohe Korrelation zwischen jedem und alles. Kleine Schätzfehler an einer Stelle – z.B. MBS-Preise – können zu gigantischen Kettenreaktionen führen. Korrelation führt zur Schiefe, also macht extreme Katastrophen wahrscheinlicher.

Wir können nur hohen, dass die drohenden Szenarien für die Weltwirtschaft nicht so schlimm ausfallen wie in der Großen Depression. Aber es könnte auch schlimmer werden. Wie schlimm wissen wir nicht und genau das ist ein großer Teil von dem Problem.

Links

FAZ – Da staunte der Truthahn

Bücher zum Thema

Richard Bookstaber – A Demon of Our Own Design: Markets, Hedge Funds, and the Perils of Financial Innovation

Nassim Nicholas Taleb – The Black Swan: The Impact of the Highly Improbable

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Eine Antwort zu 45 Jahre nach Hitchcocks Vögel: Schwarze Schwäne bedrohen die Weltwirtschaft

  1. 1leben sagt:

    ich kann dich nur auf meine Seite bitte – dort ist ein link.. was von Weizäcker mal vorhergesagt hat… sehts halt einfach mal noch globaler.. dann passt es schon..
    karin

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