Seit Beginn des Blogs schreibe ich in regelmäßigen Abständen, dass es eine gute Idee wäre bei Banken im Insolvenzfall Debt-Equity-Swaps zu erzwingen. Das heißt, dass an Stelle eines normalen Insolvenzverfahrens (i.d.R. ein Verkauf der Aktiva), werden Anleihen der Bank zwangsweise in Aktien umgetauscht. Und zwar so viele, das eine ausreichende Kapitalisierung der Bank wieder hergestellt ist. Verschiedene Ökonomen unterstützen die Idee. Ein neuer prominenter ist hinzugestoßen: Willem Buiter: Forget Tobin tax: there is a better way to curb finance. Hier noch die anderen:
Für Debt-Equity-Swaps sind
- Henry Blodget: Why Are We So Afraid To Fix Banks The Right Way?
- Luigi Zingales: Yes we can, Mr Geithner. Zingalis ist ein renommierter Ökonom, der das wohl auch schon mehrfach an die alte US-Regierung herangetragen hat. Lass uns hoffen, dass die neue mehr auf ihn hört.
- Renaud de Planta: Debt-equity swaps: a capitalist solution to the crisis.
- James Baker: How Washington can prevent ‘zombie banks’.
- Willem Buiter: More and different – including a debt-for-equity swap for the financial sector und Forget Tobin tax: there is a better way to curb finance
Gegen Debt-Equity-Swaps sind
- Felix Salmon: Insolvent Banks: Why a Debt-for-Equity Swap Won’t Work


bis Ende 2012
bis Ende 2013
bis Ende 2014




Das ist definitiv eine gute Idee.
Fairerweise sollte man aber wohl erwähnen, dass Buiter sowas schon mindestens seit letztem Jahr im September geschrieben hat:
http://blogs.ft.com/maverecon/2008/09/more-and-different-including-a-debt-for-equity-swap-for-the-financial-sector/
Danke für den Link. Habe ich gleich hinzugefügt.
Die Idee ist eigentlich gut, aber …
- Anzahl der Aktien steigt rasant an, der Aktienkurs sinkt,
- Die Jetzt-Eigentümer-Aber-Vorher-Gläubiger müssen ihre Forderungen-die-jetzt-Anteile-sind abwerten,
- Die Vorher-Gläubiger bekommen ein Zahlenproblem…
Man kann das Problem im Insolvenzfall nicht verhindern, dass irgendwer sehr viel Geld verlieren wird. Insbesondere wenn man sich ganz viel „zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen“ in die Bilanz schrieb und damit an der Wirklichkeit scheitert.
Genau. Wenn die Bank weniger wert ist als vorher, dann hat schon jemand Geld verlorenen. Das einzige was man jetzt noch tun kann ist festlegen, wer das Geld verliert.
1) Steuerzahler (aktuelle Lösung bei den meisten Banken)
2) Der Eigentümer (Bei HRE, Lehman gelungen)
3) Der Anleihenhalter (Aktuell nur in Ausnahmefälle geschehen -> Lehman). IdR. schreitet der Steuerzahler vorher ein.
Wenn jetzt der Anleihenhalter nach dem Vorschlag mit Fall 3) rechnen muss, so wird er der Bank wahrscheinlich erst gar nicht die hohen Verschuldungsgrade ermöglichen.
Theoretisch sollte es ja auch so sein: Erst verlieren 2) die Aktionäre/Gesellschafter (die Equity Tranche) und dann 3) die Gläubiger (Senior Tranche)… und als Zwischenstufen die ganzen xxx-tiers.
Ich will dem Geldsystem garnicht (verschwörerisch) vorwerfen, dass sie mit Absicht viel zu viel Geld erzeugten, aber als die Finanzwelt merkte wie groß sie den Luftballon aufgeblasen haben, wurden ganz schnell die folgenden Begriffe erfunden:
- „too-big-to-fail“
- „systemrelevant“
Und es hat funktioniert, weil „große Politiker“ wollen „große Krisen“ meistern wollen …
Ja. Die Bankenvorstände haben es geschafft, dass sie noch nicht einmal mehrheitlich ihren Hut nehmen mussten. Hut ab! Das war da so einem Desaster nicht einfach. Insofern haben sie sich aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ihre Rekordboni dieses Jahr richtig verdient. Immerhin haben sie den Eignern richtig viel (Steuer-)geld verschafft.
Aus ethischen Gesichtspunkten kann ich aber nur kotzen.