Mal gleich einen Disclaimer vorab: das ganze hier ist nicht zu ende gedacht. Kommentare, Vorschläge und Verrisse sind gleichermaßen willkommen.
Beim Lesen von der Meinung von Wirtschaftswurm zur Finanztransaktionssteuer ist mir eine Idee wieder eingefallen, über die ich schon mal sinniert habe: Könnte man nicht statt Steuer auf Mehrwert, Gewinne, Einkommen und aktuell Finanztransaktionen einfach eine Steuer auf elektronische Zahlungsströme, Neudeutsch “Cash flows”, erheben? Die Steuer muss prozentual sehr klein sein. Ich habe kein Zahlenmaterial um abzuschätzen wie hoch die Steuer sein müsste um die o.g. Steuerarten zu ersetzen. Aber die Steuer wäre nur sinnvoll wenn der Zinsatz unter 1% liegt. Mag sein, dass dies zu klein ist um genügend hohe Einnahmen zu erreichen. Dann wäre die Idee schon gestorben. So oder so würde ich das gerne mal durchdenken.
Vorteile:
- Drastische Vereinfachung des Steuersystems
- Die Steuer ist praktisch nicht zu umgehen außer durch die Verwendung von Bargeld oder Tauschhandel. Beides würden eher weniger Vermögende Menschen mit kleineren Beträgen machen. Anders als derzeit, wäre es also einfacher für Arme die Steuer zum umgehen als für große Vermögen.
- Ein Transaktionssteuer für alle Börsen und OTC-Transaktionen ist mit inklusive. Und sie lässt sich im Gegensatz zu der Merkel’schen Finanztransaktionsteuer nicht so leicht umgehen, weil die Steuer schon fällig wird, wenn man sein Geld zwecks Umgehung ins Ausland überweist.
- Es findet keine direkte Enteignung statt wie bei einer Vermögenssteuer. Erst bei der Umschichtung oder Verwendung des Vermögens wird die Steuer fällig.
Nachteile
- Ähnlich wie bei einer Umsatzsteuer gäbe es einen Anreiz zu größeren Firmeneinheiten und Fusionen, um Zahlungsströme zu vermeiden. Daher muss der Steuersatz auch klein sein, um hier nicht zu stark verzerrend zu wirken.
Was meint ihr?


bis Ende 2012
bis Ende 2013
bis Ende 2014




Der Begriff Cashflow in diesem Zusammenhang ist aber verwirrend. Cashflow meint betriebswirtschaftlich den Nettozufluss an liquiden Mitteln.
Ein Nachteil deiner Transaktionssteuer ist, dass sie nur wenig progressiv ist. Und wie du selbst schon erkannt hast, darf der Steuersatz nur sehr gering sein.
Ich meine nicht den buchhalterischen Cashflow, sondern jeden elektronische Kontobewegung, also Abbuchung, Überweisung oder Einzahlung.
Die Progression ist ein guter Punkt. Ob sie wirklich wenig progressiv ist, vermag ich aber nicht zu sagen. Ein paar Sachverhalte sorgen für etwas Progression.
1) Arme können (und werden) die Steuer durch Bartransaktionen stärker vermeiden. Ganz geht es vermutlich nicht, z.B. bei Wohnungsmieten und Gehalt.
2) Die Steuer lässt sich bei großen Vermögen quasi nicht umgehen. Im jetzigen Steuersystem mag es eine Progression in den Steuersätzen geben, bei wirklich großen Vermögen ist sie aber im Endeffekt deutlich kleiner ausgeprägt weil die Steuervermeidung zunimmt.
3) Viele Unternehmen werden überhaupt erstmalig Steuern zahlen, weil die Gewinnbesteuerung in einem internationalen Konzern so leicht zu umgehen ist. Das trifft auch eher die Aktionäre und damit die Vermögenden.
Ein ähnliches System, eine einheitliche Steuer auf alle Zahlungsvorgänge unter Wegfall sämtlicher anderer Steuerarten ist die Automated Payment Transaction Tax, kurz APT Tax.
Ein Interview mit deren Erfinder hier:
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/-afc796490a/artikel/weniger-bringt-mehr.html
Leider wird sie nie eingeführt werden, weil sie die Politiker der Möglichkeit beraubt, mit Steuern (und besonders Steuervergünstigungen) ihre egoistischen Ziele zu verfolgen.
Super, danke. Das ist genau was ich meine.